Daten sind die Währung des 21. Jahrhunderts

Von Prof. Dr. Christof Weinhardt Vor 3 JahrenKeine Kommentare
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Ob durch Smartphones, Tablets, Sensoren in Fahrzeugen oder anderen Geräten – noch nie gab es eine solche Menge an Daten und noch nie bot sich die Chance, durch Recherche und Kombination in der Datenflut blitzschnell Zusammenhänge zu entschlüsseln. Durch Big Data können sich Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend verändern und Bereiche wie beispielsweise Gesundheit oder Innovation können grundlegend beeinflusst werden.

Gesammelt werden die großen Datenmengen somit aus den unterschiedlichsten Quellen und sind teilweise strukturiert oder unstrukturiert. Durch Analyse mit Big-Data-Lösungen stellen sie für Unternehmen einen großen Erkenntnisgewinn dar, da sich Marktpotenziale und Kundenverhalten besser kennenlernen und abschätzen lassen. Sie gewinnen Informationen, nach dem sie ihre operative und strategische Steuerung ausrichten können. Risikominimierung, Kundenbindung und Marktpositionierung werden verbessert. Auch die Forschung und Entwicklung profitiert maßgeblich von den großen Datenmengen: Durch Tests und Simulationen werden Innovationen geschaffen und Produkte können optimiert werden, die Effizienz von Prozessen wird gesteigert, Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz werden geschaffen. Unternehmen Die Vorteile von Big Data liegen somit auf der Hand.

Bis zum Jahr 2017 wird weltweit ein Umsatz von über 50 Milliarden Euro mit Big-Data-Technologien prognostiziert. Durch die Informationsflut – insbesondere aus Branchen wie der Gesundheitswirtschaft oder der Industrie – gewinnen Big-Data-Lösungen zur wirtschaftlich effizienten Gewinnung und Nutzung von Daten sowie Tools zur sinnvollen Analyse an Bedeutung. Das Sammeln und Auswerten von Daten bietet unbestritten ein gewaltiges wirtschaftliches Potential.

Massendaten können allerdings mit klassischen Datenbanksystemen und Statistikanwendungen nicht mehr sinnvoll verarbeitet werden. Die Herausforderungen liegen hier neben der Datenmenge auch in der Vielfalt der Datenformate sowie in der häufig mangelnden Datenqualität. Eines der primären Ziele von Big Data-Lösungen ist die Entdeckung von reproduzierbaren Mustern, damit die in bisher ungekanntem Umfang zur Verfügung stehenden, qualitativ vielfältigen und unterschiedlich strukturierten Daten in Geschäftsnutzen verwandelt werden.

Mittlerweile haben die ersten Tools für die Handhabung der großen Datenmengen Marktreife erlangt. Damit rücken auch die ersten Schwierigkeiten in den Vordergrund, die sich aus der wirtschaftlichen Nutzung von Big Data ergeben. Insbesondere der Datenschutz lässt sich mit dem Einsatz von Big Data schwer vereinbaren, weshalb die Befürchtung vor Betrug und Datenmissbrauch wächst.

Damit aus der Datenflut konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können, müssen aus Big Data Smart Data werden. Daraus ergeben sich Informationen mit einem Nutzen, die sicher sind und mit dem Datenschutz konform gehen. Die „veredelten“ Daten sind nutzbringend und abgesichert. Für die sensiblen Informationen wie etwa in der Gesundheitsbranche sind die intelligenten Daten und deren Nutzung nicht nur ein enormer Zugewinn, sondern eine Voraussetzung für ein leistungsstarkes, kosteneffizientes und damit zukunftsfähiges Gesundheitswesen. Das Wirtschaftsministerium fördert in diesem Rahmen 13 Projekte, die Big-Data-Technologien für ausgewählte Anwendungsbereiche aus der Wirtschaft weiter entwickeln und erproben.

Intelligente Daten in der Fabrik – Smart Data in der Industrie

Durch Automatisierungstechniken, autonome Systeme und Robotik entsteht in der Industrie ein besonders hohes Datenaufkommen. Mit der immer stärker werdenden Vernetzung und der Kommunikation intelligenter Geräte untereinander oder auch Produktionsplanungs- und Monitoringsystemen fallen eine enorme Menge Daten an. Mittels zielgerichteter Analyse und Verwertung dieser Daten können Unternehmen Fehlerquellen frühzeitig erkennen, korrigierend eingreifen und so auf lange Sicht ihre Effizienz in sämtlichen Bereichen steigern.
So können beispielsweise in den intelligenten Fabriken, wie sie im Rahmen von Industrie 4.0 entstehen, Objekte Produkte eindeutig identifiziert und lokalisiert werden sowie Informationen über ihren Zustand liefern.

Für die industrielle Produktion ist es wichtig, so früh wie möglich über Ereignisse informiert zu werden, die zu einer signifikanten Störung führen können, wie beispielsweise Naturkatastrophen, politische Unruhen, Streiks oder Ausfälle der Zulieferer. Aber auch viele andere Entwicklungen außerhalb des eigenen Betriebs sind von höchstem Interesse, wie neue Technologien, Verordnungen, Produkte der Wettbewerber oder Verkehrswege. Durch die automatische Verknüpfung öffentlicher Datenströme wie Nachrichtenwebseiten oder Social-Media-Kanäle mit unternehmensinternen Datennetzwerken werden Produktionsbetriebe schneller und sicherer auf Veränderungen reagieren können.

Ziel des Projektes Smart Data Web ist es, eine Brücke zwischen diesen zwei bisher voneinander getrennten Datenwelten zu schlagen: Dem öffentlich zugänglichen Internet und den internen Informationswelten großer Unternehmen. Eine neue Art von Wissensnetzen ermöglicht diese Verknüpfung und erleichtert die Selektion und Analyse relevanter Daten. Die so gewonnenen Informationen helfen produzierenden Unternehmen dabei, Planungs- und Entscheidungsprozesse wie etwa das Lieferkettenmanagement entscheidend zu optimieren. Neben dem Lieferkettenmanagement liegt ein weiterer Anwendungsschwerpunkt des Projektes in der Marktforschung.

Smart Data in der Medizintechnik

Gesundheit wird zum Kostenfaktor und insbesondere Krankenhäuser müssen wirtschaftlich handeln, denn der Kostendruck steigt sowohl für den Patienten als auch für die Klinik. Zahlreichen Krankenhäusern droht mittlerweile wegen fehlender finanziellen Ressourcen das Aus. Ein besonderer Kostenfaktor in den Kliniken stellt der Operationssaal dar.

Der OP ist das Herz des Krankenhauses, sein reibungsloser Betrieb ist elementar. Die Vernetzung mit allen relevanten vor- und nachgelagerten klinischen, patientenbezogenen und administrativen Prozessen hat höchsten Stellenwert. Diese Prozesse laufen aber in den seltensten Fällen reibungslos. Das Projekt InnOPlan zielt darauf ab, medizinische Geräte so zu erweitern, dass diese nicht nur ihre technische Funktion erfüllen, sondern zusätzlich eine Datenintelligenz schaffen, durch die klinische Prozesse untereinander vernetzt und somit noch effizienter gestaltet werden können.
In dem Zukunftsszenario, das in greifbare Nähe rückt, werden medizinische Geräte als Datenlieferquellen eingesetzt und mit klinischen Prozessen innerhalb und außerhalb des Operationssaals vernetzt, um die Arbeitsabläufe wie beispielsweise die Planung von Operationen und die Auslastung medizinischer Geräte zu optimieren. So kann der Arzt, der die nächste Operation plant, beispielsweise im Vorfeld erkennen, wann die noch laufende Operation beendet sein wird. Anhand der analysierten Daten aus den Geräten kann die momentane Phase erkannt und der nächste Schritt geplant werden. Genau aufeinander abgestimmte Prozesse optimieren so die Abläufe. Auf diese Weise können die äußerst kostspieligen Leerzeiten der Operationssäle vermieden werden.

„Mit dem Projekt InnOPlan verfolgen wir das Ziel, die bereits sehr leistungsfähigen Medizinprodukte so zu erweitern, dass diese nicht nur ihre technische Funktion erfüllen, sondern zusätzlich eine Datenintelligenz geschaffen wird, die helfen soll, klinische Prozesse dank strukturierter Informationen noch vernetzter und effizienter zu gestalten.“, so Dr. Norbert Hansen, Projektkoordinator von InnOPlan.

Entwicklungen von Big-Data-Technologien zu Smart-Data-Lösungen

Im Vordergrund stehen bei der Verwertung von Big-Data-Technologien die Handhabbarkeit vor allem in Bezug auf Datensicherheit und Datenqualität. Mit Smart Data kann somit die Entwicklung von innovativen Diensten, Dienstleistungen und Produkten vorangetrieben werden. Außerdem führen sie zu verbesserten oder automatisierten Prozessen innerhalb der Unternehmen und mit den Kunden. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen hier effiziente und kostengünstige Smart-Data-Lösungen entwickelt werden, damit sie innovative, datenbasierte Dienstleistungen in ihrer Domäne anbieten können. Mittels der Big-Data-Technologien entstehen so Smart-Data-Lösungen für konkrete Anwendungsbereiche, die Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Potenziale zur Folge haben. Das Technologieprogramm „Smart Data – Innovationen aus Daten“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von Smart Data-Technologien. Als Teil der Hightech-Strategie und der Digitalen Agenda der Bundesregierung werden im Rahmen des Programms 13 Projekte aus den Anwendungsfeldern Gesundheit, Industrie 4.0, Energie und Mobilität vom BMWi gefördert. Sicherheits- und Rechtsfragen sowie die Aspekte der gesellschaftlichen Akzeptanz werden in begleitenden Forschungsmaßnahmen behandelt.

Kategorien:
  Energie, Gesundheit, Industrie, InnOPlan, Mobilität, Projekte, Smart Data Web

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 Prof. Dr. Christof Weinhardt

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Leiter der Begleitforschung des Technologieprogramms „Smart Data – Innovationen aus Daten“ und Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe.

Als Wirtschaftsingenieur und promovierter Volkswirt ist Prof. Dr. Christof Weinhardt Experte für Informationswirtschaft und Market Engineering. Er ist Gründer und Direktor des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) und Dekan für Forschung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) sowie Direktor des FZI Forschungszentrum Informatik.

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