Smart-Data-Projekte arbeiten an der staufreien Stadt

Von Prof. Dr. Dr. Stefan Jähnichen Vor 1 Jahr1 Kommentar
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Smart Data – die intelligente Nutzung großer Datenmengen – wird in naher Zukunft die deutsche Mobilitätslandschaft umwälzen, neue Chancen für Unternehmen schaffen und den Menschen das Reisen erleichtern.

Jeder Mensch hinterlässt, egal ob er sich nun virtuell oder real fortbewegt, digitale Spuren im Netz. Smartphones und Navigationssysteme machen Mensch und Maschine zu ergiebigen Datenlieferanten und die stetig wachsende Menge digitaler Informationen bringt vor allem im Bereich der Mobilität neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle mit sich. Allein durch die von Privatpersonen sowie den einzelnen Verkehrs- und Transportmitteln gewonnenen Daten kann künftig die Verkehrsplanung erleichtert und das Stauaufkommen deutlich reduziert werden.

Dies bringt nicht nur einen enorme Vorteile für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland sondern auch einen konkreten Nutzen für jeden Verkehrsteilnehmer: Laut einer Studie des Centre for Economics and Business Research (CEBR) verursachen Verkehrsstaus allein in den 22 größten deutschen Stadtgebieten pro Jahr 7,5 Milliarden Euro zusätzliche Kosten – das sind 509 Euro pro Haushalt. In Anbetracht dieser Zahlen ist die effiziente Nutzung der Verkehrswege sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus ökologischen Gründen von zentraler Bedeutung.

Smart Data – die Vernetzung der involvierten Akteure (Unternehmen, Dienstleister und Privatpersonen) sowie die intelligente Aufbereitung und Bereitstellung der Daten – wird die Zukunft der Mobilität grundlegend verändern. Um diesen Prozess aktiv mitzugestalten, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Zuge des Technologieprogramms „Smart Data – Innovationen aus Daten“ Leuchtturmprojekte, die Big-Data-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche erarbeiten.

Ziel: Die staufreie Stadt

So entwickelt das Smart-Data-Projekt ExCELL am Beispiel der Stadt Dresden eine intelligente Lösung, mit der künftig unter Einbezug unterschiedlichster Datenquellen wie Geo-, Verkehrs- und Betriebsdaten sowie der Integration von Elektromobilitätskonzepten der Verkehr für Autos und in Echtzeit effizienter organisiert werden kann. Eine sich selbst organisierende City-Logistik-Plattform verbindet die Mobilitätsanbieter, Verkehrsteilnehmer, Datenlieferanten und die öffentliche Verwaltung. Das übergeordnete Ziel am Ende des Projekts ist nichts Geringeres als eine staufreie Stadt.

Ein weiteres Leuchtturmprojekt – iTESA – baut ein automatisches Alarmsystem auf, das Reiserisiken in Echtzeit identifiziert und Reisenden sowohl vor als auch während der Reise Informationen und Unterstützung anbietet. Dazu analysiert iTESA Daten aus öffentlichen Internetquellen wie sozialen Netzwerken, Nachrichten, Agentur- und Pressemeldungen. Dieser Datenstrom wird auf Risiken wie Unruhen, Naturkatastrophen oder Epidemien hin analysiert und Privatpersonen sowie Geschäftsreisenden über eine Plattform gesammelt zur Verfügung gestellt.

Bei allen Vorteilen birgt Smart Data allerdings nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. Gerade die Aspekte Sicherheit und Datenschutz sind bei der umfassenden Nutzung hochwertiger Daten ein ernstzunehmendes Hindernis. So muss bei der Verwendung von Orts- und Bewegungsdaten, die von Privatpersonen generiert werden, sichergestellt sein, dass sich keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen ziehen lassen. Daher ist es besonders wichtig, die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Basisinfrastruktur für den datenschutzkonformen Informationsaustausch zu schaffen, beispielsweise durch die Entwicklung geeigneter Pseudonymisierungs- und Anonymisierungsverfahren.

Nur wenn es gelingt, ein Höchstmaß an Sicherheit bei der Nutzung der Daten zu erreichen, werden die Dienste und Angebote die entsprechende Akzeptanz und Verbreitung finden.

Kategorien:
  ExCELL, iTESA, Mobilität

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 Prof. Dr. Dr. Stefan Jähnichen

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Leiter der Begleitforschung des Technologieprogramms „Smart Data – Innova-tionen aus Daten“ und Direktor der Außenstelle Berlin des FZI Forschungs-zentrum Informatik.

Prof. Dr. Dr. Stefan Jähnichen forscht seit über zwanzig Jahrenzum Thema Soft-wareentwicklung. Von 1991 bis 2012 leitete er das Fraunhofer Institut für Rech-nerarchitektur und Softwaretechnik, Fraunhofer FIRST, und war mehrmals Vorsit-zender des Informatik Panels des European Research Council (ERC). Seit 2012 ist Jähnichen Direktor der Außenstelle Berlin des FZI Forschungszentrum Informatik.

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