Fünf Bereiche, in denen Datenanalyse schon heute unseren Alltag verändert

Von Prof. Dr. Christof Weinhardt Vor 3 WochenKeine Kommentare
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Sensoren, Algorithmen, Businessanalysen, Internet der Dinge: Wir sind umgeben von einer Vielzahl von versteckten Datenanalyse-Lösungen. Fünf Beispiele für Anwendungen im Smart Data-Bereich und wie sie unser Leben verändern.

Daten gelten nicht ohne Grund als wichtigster Rohstoff des 21. Jahrhunderts: In fast allen Bereichen, in denen sich Menschen bewegen, werden täglich riesige Datenmengen produziert und es werden immer mehr: alleine in diesem Jahr werden weltweit laut Experten insgesamt mehr als 9.000 Exabyte Daten produziert. Bis 2020 soll sich diese Zahl nach aktuellen Prognosen gar deutlich vervierfachen und auf ein Datenvolumen von rund 40 Zettabyte anschwellen. Mit klassischen Systemen lassen sich solche riesigen Mengen schon längst nicht mehr auswerten. Zum Vergleich: Ein Zettabyte entspricht dem Datenvolumen von rund 250 Milliarden DVDs. Die neuen Technologien, die helfen diese Daten nutzbar zu machen, werden unter dem Begriff „Smart Data“ zusammengefasst. Sie stecken weitestgehend noch in den Kinderschuhen. Die nachfolgenden fünf Beispiele zeigen, wo solche Technologien schon heute erfolgreich zum Einsatz kommen und uns das Leben vereinfachen.

Smarte Energiezähler

Was sind die größten Energiefresser im Haushalt? Und wie lässt sich am effektivsten Energie und Wasser sparen? Antworten auf diese Fragen können intelligente Zähler, so genannte „Smart Meter“ liefern und somit Verbrauchern helfen, den eigenen Energiekonsum besser im Blick zu halten. Denn die digitalen Wasser-, Gas- und Stromzähler zeigen genau an, wie viel wann verbraucht wird und tragen damit dazu bei, dass Verbraucher den Energie- und Wasserkonsum in ihren eigenen vier Wänden besser einschätzen können. Hierzu werden die Daten per Funk, über die Stromleitung oder per WLAN gesendet und anschließend auf einem Display visualisiert. Aktuelle Studien stimmen zuversichtlich: Sie gehen von einem Energiesparpotential von etwa fünf bis zehn Prozent aus.

Connected Cars

Autos, die selbstständig untereinander und mit der Infrastruktur kommunizieren möglich wird dies durch die Technologien „Car2Car-Kommunikation“ und „Car2X-Kommunikation“. Ziel ist es, zu mehr Sicherheit und weniger Verkehrsstaus auf den Straßen beizutragen. Ein Beispiel hierfür ist das automatische „Cooperative Forward Collision Warning“-System. Dieses greift automatisch ein und stoppt das Auto, wenn ein Auffahrunfall droht und der Fahrer nicht schnell genug reagiert. Der Bremsassistent analysiert dazu fortlaufend Positionsdaten der vorrausfahrenden Fahrzeuge und erkennt deshalb frühzeitig den drohenden Aufprall. Über eine ähnliche Funktionsweise verfügen intelligente Staumelder, mit denen App-Anbieter über ein Live-Tracking-System Verkehrsverdichtungen in Echtzeit ankündigen. Damit Fahrer – wie das in alten Systemen oft der Fall war – nicht erst benachrichtigt werden, wenn sie bereits mitten im Stau stehen, wertet das System in Echtzeit Bewegungsdaten Navigationssysteme und Handys in den Autos aus.

Gesundheitscheck am Handgelenk

Klein, clever und immer mit dabei – Smartwatches liegen im Trend gerade weil sie vielfältig einsetzbar sind: Sie messen den Puls, analysieren Schritte, den Schlaf und Kalorienverbrauch, können aber auch über Messenger-Apps Nachrichten übermitteln oder an Termine erinnern. Besonders für chronisch kranke Menschen ist die mobile Analyse der Gesundheitsdaten geeignet. Denn die Apps überwachen automatisch wichtige Gesundheitsdaten wie Herzschlag und Blutzucker und schlagen automatisch Alarm, wenn sich der Zustand des Trägers verschlechtert. Einige Krankenkassen haben das Potenzial erkannt und bezuschussen schon jetzt den Kauf der Fitness und Gesundheits-Tracker, um die Gesundheit ihrer Kunden zu verbessern.

Ein passgenauer Schuh per 3D-Druck

Die meisten träumen von einem Schuh, der perfekt sitzt und ganz nach den eigenen Vorstellungen designt ist. Den Trend zur Individualisierung haben nun auch Sportschuhhersteller erkannt und experimentieren in der Produktion bereits mit 3D-Drucktechnologie. Bisher gibt es den personalisierten Turnschuh zwar nur in einer limitierten, relativ teuren Version und es vergehen noch durchschnittlich drei Monate, bis der Schuh auch endlich zum Fuß des Käufers findet, einige Marken planen aber schon im kommenden Jahr ihr Angebot auszuweiten und zu verbessern. Damit könnte der etwas futuristisch anmutende Traum vom passgenauen Schuh, der am nächsten Tag geliefert wird, bald auch für die Massen erschwinglich werden.

Live-Tracking der Transportströme

Die Zeiten der ewigen Warterei sind vorbei: Nicht selten hat man früher tagelang ausgeharrt und war am Ende doch nicht da, um das lang ersehnte Paket anzunehmen. Heute kann dagegen jeder mit der Paketnummer online mitverfolgen, wo sich die Sendung gerade befindet und diese dann selbst in Empfang nehmen. Möglich machen dies automatische Scanner an verschiedenen Stellen der Lieferkette. Große Logistikzentren wie etwa der Hamburger Hafen funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, jedoch in viel größeren Dimensionen: Hier muss jeden Tag der Verkehr von 40.000 Container-LKWs gemanagt werden. Um das zu gewährleisten, ist die komplette Infrastruktur des Hafens mit Sensoren ausgestattet. Dadurch erhalten Spediteure in Echtzeit Verkehrsinformationen, wodurch der Gütertransport reibungsloser wird und die Container schneller an Bord gebracht werden.
Bei aller Euphorie für das Thema Smart Data darf jedoch nicht vergessen werden: Große Datenmengen und deren Potenzial bringen auch große Verantwortung. Oftmals enthalten Daten sensible Informationen, ihre Verarbeitung und Bereitstellung muss daher höchsten Ansprüchen hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit genügen. Tatsächlich stellt dies in der Praxis eine große Herausforderung dar. An verantwortungsvollen Lösungen arbeiten dreizehn Leuchtturmprojekte im Technologieprogramm „Smart Data – Innovationen aus Daten“, das vom Bundeswirtschaftsministerium initiiert wurde und gefördert wird.

Der Beitrag erschien erstmals bei FOCUS-Online.

 

Kategorien:
  Allgemein, Energie, Gesundheit, Industrie, Mobilität

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 Prof. Dr. Christof Weinhardt

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Leiter der Begleitforschung des Technologieprogramms „Smart Data – Innovationen aus Daten“ und Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe.

Als Wirtschaftsingenieur und promovierter Volkswirt ist Prof. Dr. Christof Weinhardt Experte für Informationswirtschaft und Market Engineering. Er ist Gründer und Direktor des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) und Dekan für Forschung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) sowie Direktor des FZI Forschungszentrum Informatik.

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