Smart Data im Bereich Mobilität: Crowdsourced Delivery

Von David Soto Setzke Vor 6 MonatenKeine Kommentare
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Die Verkaufszahlen im Onlinehandel steigen stetig an und aktuelle Prognosen zeigen kein Ende dieses Trends. Der Wunsch der Kunden nach schnellerer und personalisierter Zustellung stellt Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen. Crowdsourced Delivery zeigt einen Weg auf, den klassischen Lieferdienst effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Im Projekt ExCELL wird Crowdsourced Delivery als eine datengetriebene Lösung zur Optimierung der innerstädtischen Logistik evaluiert.

Immer mehr Menschen kaufen ihre Produkte online und lassen sich diese direkt an die eigene Haustür liefern. Gleichzeitig verkürzen sich auch die Lieferzeiten zunehmend: Große Onlinehändler wie Amazon bieten bereits in vielen deutschen Städten die Produktzustellung noch am selben Tag oder gar innerhalb einer Stunde an. Aus der Geschäftsperspektive stellen kurze Lieferzeiten heute einen Wettbewerbsvorteil dar, bei dem gerade kleinere und mittlere Unternehmen oder auch der klassische Einzelhandel oft nicht mithalten können. Aufgrund fehlender Ressourcen sind viele dieser Unternehmen nicht in der Lage, dieselben Lieferkonditionen wie ihre größeren Konkurrenten anzubieten. Auch aus der Sicht des Umweltschutzes ergeben sich durch die Anforderungen an die Logistikinfrastruktur negative Auswirkungen wie etwa erhöhte Luftverschmutzung, Lärm und höheres Verkehrsaufkommen.

Ein möglicher Lösungsansatz für diese Herausforderungen stellt das Konzept des Crowdsourced Delivery dar. Hierbei handelt es sich um die Anwendung des Crowdsourcing-Ansatzes auf den klassischen Lieferdienst: Auf einer Online-Plattform werden Lieferaufträge mit der „Crowd“, also mit Privatpersonen, aber auch professionellen Dienstleistern, geteilt, welche diese Aufträge dann annehmen und durchführen können. Potentielle Lieferanten, die einen Auftrag durchführen möchten, bestätigen dies auf der Plattform, holen das Paket an einem vereinbarten Ort ab und bringen es dann zum Kunden. Nach vollendeter Arbeit erhält der Lieferant eine Entlohnung.

Crowdsourced Delivery in der Praxis

Auch wenn das grundlegende Konzept bei allen bereits existierenden Crowdsourced-Delivery-Diensten sehr ähnlich ist, unterschieden sie sich in diversen Details. Hierzu gehören beispielsweise der geographische Einzugsbereich, die Auftraggeber, die auf der Plattform Lieferaufträge erstellen, und die Anforderungen an potentielle Lieferanten. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Übersicht einiger ausgewählter Crowdsourced-Delivery-Dienste weltweit und fasst ihre Unterschiede zusammen.

 

Name Geographischer Einzugsbereich Auftraggeber Anforderungen an Lieferanten
Bistip Unbegrenzt Privatpersonen Keine
Blitzbringer Frankfurt am Main Privatpersonen Keine
Deliv 17 US-Regionen Privatpersonen & Unternehmen Keine
Deliveroo 6 deutsche Städte (auch weltweit aktiv) Gastronomieunternehmen Besitz eines Smartphones
Foodora 19 deutsche Städte (auch weltweit aktiv) Gastronomieunternehmen Besitz eines Smartphones
Friendshipper Unbegrenzt Privatpersonen Keine
Instacart Verschiedene US-Staaten Lebensmittelläden Keine
Kanga Atlanta (USA) Privatpersonen & Unternehmen Keine
PiggyBee Unbegrenzt Privatpersonen Keine
Postmates Verschiedene US-Städte Unternehmen (hauptsächlich Gastronomie) Keine
TaskRabbit – Deliver Now Unbegrenzt Privatpersonen Keine
uberRUSH Drei US-Städte Privatpersonen Mind. 1 Jahr Fahrpraxis
Zipments New York City Privatpersonen & Unternehmen Keine

 

In den USA gibt es eine Vielzahl an Startups, die verschiedene Regionen des Landes abdecken. Über die Plattform Instacart können Benutzer beispielsweise in verschiedenen Metropolregionen durch sogenannte „Personal Shoppers“ ihre Einkäufe im Supermarkt erledigen und an die Haustür liefern lassen. Instacart schließt dafür Kooperationen mit verschiedenen Supermarktketten wie beispielsweise Whole Foods Market oder Costco ab. Personal Shopper haben bei der Anmeldung die Möglichkeit anzugeben, ob sie lediglich Produkte einkaufen und diese dann im Markt für einen Lieferanten hinterlegen oder diese auch zustellen möchten.

In den Metropolen San Francisco, Chicago und New York ist das bekannte Beförderungsunternehmen Uber mit einem eigenen Crowd-basierten Lieferdienst namens uberRUSH gestartet. Benutzer erstellen über eine App Lieferaufträge, die dann Uber-Fahrern vorgeschlagen werden, die sich gerade in der Nähe befinden.

In Deutschland steckt das Thema „Crowdsourced Delivery“ noch in den Kinderschuhen. Zu den bekanntesten Vertretern hierzulande zählen die konkurrierenden Essenslieferdienste Foodora und Deliveroo. Auf beiden Plattformen können Benutzer über eine Webseite oder eine mobile App Speisen aus nahegelegenen Restaurants bestellen, die anschließend durch einen Lieferanten zugestellt werden. Als Lieferanten können sich alle volljährigen Privatpersonen bewerben. Die Dienste werden heute in verschiedenen deutschen Städten und teilweise auch weltweit in anderen Ländern angeboten.

Einen etwas allgemeineren Ansatz verfolgt das Startup Blitzbringer. Über eine Webseite können Privatpersonen lokale Produkte aus dem Einzelhandel bestellen und einen beliebigen Lieferort angeben – also beispielsweise im Sommer auch den Park um die Ecke oder den Badesee. Lieferanten empfangen über ihr Smartphone dann die gewünschten Produkte und die GPS-Koordinaten des Lieferorts. Das Unternehmen möchte mit seiner Plattform das Bewusstsein für die lokale Verfügbarkeit von Produkten stärken und durch nachhaltige Kooperation den Einzelhandel weiter stärken. Bezüglich potentiellen Lieferanten richtet sich Blitzbringer ausdrücklich an finanziell schwache oder sozial benachteiligte Personengruppen. Momentan wird der Dienst allerdings nur im Stadtgebiet Frankfurt am Main angeboten.

Ein umweltschonendes, alternatives Lieferkonzept

Crowdsourced Delivery stellt ein alternatives Lieferkonzept dar, welches insbesondere kleineren Unternehmen und dem Einzelhandel die Möglichkeit eröffnet, kurze Lieferzeiten anzubieten ohne ein eigenes Liefernetzwerk aufzubauen oder einen teuren Lieferdienst zu beauftragen. Auch für den Umweltschutz können sich Verbesserungen ergeben: Lieferanten können ihre Produkte beispielsweise mit dem Fahrrad transportieren, außerdem ist kein weiteres Verpackungsmaterial nötig. Weitere positive Effekte könnten durch die Einbeziehung von Pendlern oder anderen Reisenden entstehen. Diese könnten ihre Fahrt nutzen, um bestellte Produkte zuzustellen, deren Zielorte auf derselben Route liegen.

Am Beispiel der Essenslieferdienste, die sich in Deutschland bereits verbreitet haben, zeigen sich jedoch die Herausforderungen. Die Dienste müssen flexibel und skalierbar genug sein, um auf Änderungen im täglichen Geschäft reagieren zu können: Bei erhöhtem Bestellaufkommen (in der Gastronomie typischerweise am Wochenende) muss gewährleistet sein, dass stets genug Lieferanten vorhanden sind bzw. diese optimal eingesetzt werden, um lange Wartezeiten für die Kunden zu verhindern. Des Weiteren sind die mit dem Aufbau der Plattform verbundenen Marketingkosten erheblich. Ohne entsprechende Werbemaßnahmen wird es nicht möglich sein, genügend Fahrer zu finden um eine entsprechende Abdeckung garantieren zu können.

Kategorien:
  ExCELL, Mobilität, Projekte

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