Strategisches Verständnis für Open Data entwickeln

Von Martin Schmidt Vor 2 WochenKeine Kommentare
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Open Data-Anwendungen beginnen erst jetzt im Leben vieler Bürger eine Rolle einzunehmen. Institutionen und öffentliche Träger bedienen sich des Themas zunehmend. Weiteren Anbietern oder Teilnehmern den Zugang zu offenen Daten zu verdeutlichen, bedarf der intensiven Förderung des Verständnisses für die
Bereitstellung der Daten in gemeinsam zu verwendenden Daten-Hosts.

In einem Bericht zur Open-Data-Reife der europäischen Staaten von Capgemini ist Deutschland „in die Gruppe der Followers neben Dänemark und Italien zurückgefallen. Der Wert der Open-Data-Bereitschaft sank um 3,4 Prozentpunkte auf das europäische Mittel von 51,5 Prozent“.
Neben denjenigen Daten, die bereits als Allgemeingut bezeichnet werden, wie z. B. Wetterdaten, Wirtschaftsdaten, Geodaten oder Umweltdaten, stellen auch andere Daten, die erhoben werden oder digital anfallen – unabhängig davon, ob sie auch individuell kommerzialisiert werden können oder nicht –, eine wichtige strategische Option für die Entwicklung neuer, eigener Geschäftsmodelle dar.
Informationen, Daten und Datenanalysen sind wesentliche Ressourcen einer Informationsgesellschaft. Die zukünftige Wissens- und Informationsgesellschaft wird Leistungen einfordern, die auf Open-Data basieren.
Der strategische Nutzen im öffentlichen Sektor lässt sich beschreiben durch:

  • die Entlastung von Behörden und Bürgern,
  • ein Mehr an Transparenz durch frei zugängliche Daten und Informationen sowie
  • die Sicherung des gesellschaftlichen Konsenses durch eine breite Beteiligung bei der Entscheidungsfindung.

Ob Städte, Gemeinden oder private Organisationen, es wird eine klare Grenze zwischen Förderern und Verweigerern der Datenökonomie geben. Verweigerer werden somit als solche erkennbar und mittelfristig von potenziellen Nutzern und Partnern ausgegrenzt.
Ein wichtiger Grund, warum Organisationen sich bislang in Bezug auf Daten wenig kooperationsbereit zeigen, liegt in der Tatsache, dass sie nicht überzeugt von ihrer eigenen Datenhaltung und der Qualität der Daten sind.
Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland, sagt dazu: „Open-Data-Nachzüglern muss verdeutlicht werden, dass die Nützlichkeit von Daten exponentiell steigt, wenn sie mit allen geteilt und von allen verwendet werden.“

Strategische Optionen und Chancen

Der größte strategische Nutzen für die Datenlieferanten selbst ist die Möglichkeit zu sehen, was für Datenanalysen und Interpretationen durch die Nutzung der Daten in Verbindung mit anderen Daten möglich sein werden.
Die Erweiterung des unternehmerischen Horizontes ist die große Chance, die in der Förderung der Datenökonomie liegt. Erst die Erkenntnisse durch die Nutzung von Open Data schaffen eine Voraussetzung für die Entstehung eines gesetzlichen Rahmens, da man die Zukunft in der Komplexität der Thematik nicht rechtssicher voraussehen kann und es auch erst durch die
Verwendung und Analyse möglich ist, alle involvierten Gruppen zu identifizieren.
Auch wird die Teilnahme an Open-Data-Pools als Datenlieferant die Datenhaltungs- und Separationsdisziplin – z. B. zur Anonymisierung – in den teilnehmenden Organisationen erhöhen.

Was sind die Voraussetzungen für Open-Data-Strategien?

Unabhängig von dem zuständigen Ministerium müssen eine eindeutige Verantwortlichkeit und, noch viel wichtiger, eine eindeutige Kontaktstrecke der Öffentlichkeit/den Unternehmen/den Nutzern zugänglich gemacht werden.
Auch und vor allem Start-ups und Inkubatoren müssen auf einfache Weise die richtigen Ansprechpartner finden können. Eine entsprechende Liste muss öffentlich verfügbar und leicht auffindbar sein und die öffentlichen Institutionen und Unternehmen müssen verpflichtet werden, diese regelmäßig zu aktualisieren.
Ein politischer Rahmen muss dadurch gebildet werden, dass z. B. Analysen und Informationen für einen definierten Zeitraum nur der Gruppe der Datenlieferanten als „Vergütung“ in exklusiver Form zur Verfügung gestellt werden.
Die erfolgreiche wirtschaftliche Nutzung von Daten aus öffentlichen Quellen muss vor allem auch im eigenen Interesse des öffentlichen Sektors gefördert werden. Das heißt z. B. auch, dass öffentlich finanzierte Forschungsprojekte so organisiert werden müssen, dass die generierten Daten aus dem entstandenen Geschäftsmodell in einem Open-Data-Hub zur Verfügung gestellt werden.

Der Beitrag ist zuerst veröffentlicht worden in der Publikation Open Data in Deutschland

Bild: © Ulf Dressen – Fotolia

Kategorien:
  Allgemein, Datenanalyse, Gesundheit, Industrie, Mobilität, Open Data, Strategie, Verkehr

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