Big Data im Katastrophenmanagement – Der Krise immer einen Schritt voraus

Von Harald Schöning Vor 4 MonatenKeine Kommentare
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Daten sind der Rohstoff unserer Zeit und werden heute in allen Lebens- und Geschäftsbereichen erfasst und gespeichert. Durch ihre Auswertung erhofft man sich quer durch alle Branchen, bislang verborgene Erkenntnisse zu gewinnen und Zusammenhänge aufzudecken. Die Datenanalyse soll helfen, bisher unvorhersehbare Ereignisse präzise zu prognostizieren oder ganz neue Produkte und Dienste ermöglichen. Kurzum: Daten werden zum zentralen Wertschöpfungsfaktor und zum Treibstoff der wirtschaftlichen Entwicklung.

Dass Big Data darüber hinaus aber ganz unmittelbar der Gesellschaft dient und sogar Leben retten kann, zeigt das Forschungsprojekt sd-kama – Smart Data Katastrophenmanagement, das innerhalb des Technologieprogramms „Smart Data – Innovationen aus Daten“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Ziel von sd-kama ist es, eine Informationsplattform für das Katastrophenmanagement zu entwickeln und für das Hochwasserschutzmanagement der Stadt Köln zu pilotieren.

Hierfür werden im ersten Schritt auf der Plattform Daten aus verschiedenen Quellen wie Verkehrs-, Satelliten-, Pegel-, Wetter-, Bild- und Videodaten sowie Vitaldaten der Einsatzkräfte gesammelt und zusammengeführt. Anschließend werden sie in Echtzeit analysiert, aufbereitet und in eine digitale Lagekarte eingespielt.

In der Praxis wird die Plattform bereits in der Kölner Hochwasserschutzzentrale erprobt und erlaubt dem dortigen Team nicht nur einen detaillierten Überblick über die aktuelle Situation im Stadtgebiet, sondern liefert auch verlässliche Prognosen über die weitere Entwicklung. Mit dieser umfangreichen Entscheidungsgrundlage kann die Einsatzleitung deutlich besser ihre Prioritäten setzen und Einsatzkräfte dort konzentrieren, wo sie am dringendsten gebraucht werden oder voraussichtlich werden könnten.

So stellt sd-kama ein umfassendes Lagebild bereit, das neben der Hochwassersituation, den getroffenen Gegenmaßnahmen sowie Bild- beziehungsweise Videomaterial auch die aktuelle Verkehrslage sowie den Standort von Depots und Logistikern umfasst. Grafische Simulationen geben darüber hinaus Auskunft, welche Gebiete bei steigendem Hochwasser demnächst betroffen sein werden. Die Einsatzleitung weiß damit bereits im Voraus, wo sich die nächsten Krisenherde anbahnen und kann zielgerichtet und schnell geeignete Gegenmaßnahmen einleiten – im Ernstfall zählt jede Minute.

Ein weiteres zentrales Element von sd-kama sind so genannte Wearables wie Arm und Brustbänder. Diese können freiwillig von den Einsatzkräften getragen werden und übermitteln automatisch diverse physiologische Werte wie etwa den Puls an die Einsatzleitung. Diese kann auf diese Weise in Echtzeit den Stresspegel der Einsatzkräfte im Auge behalten – und bei Bedarf direkt Verstärkung oder Ablösungen schicken. Darüber hinaus stellt sd-kama eine passende App fürs Smartphone bereit. Mit dieser können die Einsatzkräfte vor Ort Fotos schießen sowie Videos aufnehmen, welche sie mit nur einem Klick bequem und automatisch an die Informationsplattform schicken. Dieses Bildmaterial ergänzt das Lagebild und erlaubt der Zentrale einen besseren Eindruck der Situation vor Ort.

Die Wearables und Foto-App wurden im Rahmen der alljährlichen Hochwasserschutzübung der Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR vom 22. bis 24. Juni erstmals in der Praxis getestet. An der Übung waren rund 100 Einsatzkräfte – unter ihnen unter anderem Helfer des Technischen Hilfswerks sowie externe Dienstleister – beteiligt. Als Vorbereitung für den Ernstfall wurden in der Kölner Innenstadt Schutzwände von knapp drei Kilometern aufgebaut, um realitätsnahe Bedingungen zu schaffen. Die Wearables und Foto-App haben dabei den Härtetest bestanden. In den letzten Monaten des Projektes müssen sie nun von letzten technischen Detailschwierigkeiten, zum Beispiel in puncto Stabilität und Bedienerfreundlichkeit, befreit werden.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten von sd-kama sind vielfältig: Sie reichen vom Katastrophenmanagement, über die Sicherung von Großereignissen bis hin zur Überwachung von Lieferketten. sd-kama kann seine gesamten Vorteile überall dort voll ausspielen, wo es darauf ankommt, in einer unübersichtlichen Situation viele Informationen in kürzester Zeit zu bewerten und aus ihnen die richtigen Schlüsse abzuleiten – Big Data in R(h)einkultur.

Weitere Informationen zum Projekt: https://www.sd-kama.de

Foto: Dr. Marlene Willkomm

Kategorien:
  Mobilität, Projekte, sd-kama

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 Harald Schöning

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Dr. Harald Schöning ist Vice President Research der Software AG

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