Wie steht es um die Digitalisierung im Handwerk?

Von Christoph Pflügler & Maximilian Schreieck Vor 1 MonatKeine Kommentare
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Vom PC über den Laptop, das Tablet bis zum Smartphone – sowohl im Alltag, als auch im Berufsleben ist heute eine Vielzahl von Geräten im Einsatz und wird zur Kommunikation mit Freunden, Mitarbeitern oder Kunden genutzt. Auch in Handwerksunternehmen gehört eine entsprechende digitale Ausstattung längst zum Standard: 99 Prozent der Betriebe verfügen über mindestens eins der aufgezählten Geräte. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie „Digitalisierung im Handwerk IT-Einsatz für mehr Effizienz entlang der Prozesskette“, die im Rahmen des Smart-Data-Projekts ExCELL entstanden.

Neben der vorhandenen Hardware untersuchte die Studie auch, wie diese digitalen Technologien zur Kommunikation in den einzelnen Betrieben tatsächlich genutzt werden. Das Ergebnis: Durchwachsen, denn noch immer dominieren beim Kundenkontakt die beiden traditionellen Kanäle Telefon und E-Mail. Der klassische Postweg ist ebenfalls noch stark vertreten (75 Prozent) und wird hauptsächlich für das Zustellen von Rechnungen genutzt. Mit neuen Online-Kanälen tun sich viele Unternehmen dagegen schwerer, wie die Studie zeigt. Demnach nutzt nur knapp jedes vierte (39 Prozent) Online Messenger wie etwa WhatsApp, bei Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Twitter sind es noch weniger: Über diesen Kanal kommunizieren lediglich 16 Prozent der befragten Betriebe mit ihren Kunden. Für viele Unternehmen besteht hier also durchaus noch Aufholbedarf. Denn die Gewohnheiten der Kunden verändern sich: Schon heute gehören für 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Online-Messenger zum persönlichen Alltag dazu, es könnte daher durchaus möglich sein, dass zukünftig immer mehr auf diesem Weg mit Anbietern kommunizieren möchten.

Ein ähnliches Bild zeichnet die Studie bei der internen Kommunikation, etwa bei der Übermittlung von Auftragsdetails an die Mitarbeiter. In zwei Dritteln aller Handwerksunternehmen werden die Informationen meist in Papierform weitergegeben, 60 Prozent gaben an, dies ebenfalls auf dem mündlichen Wege zu tun. Die wenigsten Angestellten erhalten die Anweisungen dagegen digital – gerade einmal ein Viertel (26 Prozent) haben die Möglichkeit, auch über mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet die entsprechenden Angaben abzurufen. Dabei bieten vor allem die neuen Kommunikationskanäle das Potenzial, die Abstimmung effizienter und schneller zu gestalten. Zudem erlauben sie mehr Transparenz gegenüber dem Kunden – dieser kann etwa online einfach und flexibel den aktuellen Stand seiner Bestellung abfragen.

Digitalisierung – Chance oder Bedrohung?

Allen Herausforderungen zum Trotz, sieht die Mehrheit der Handwerksunternehmen (57 Prozent) bei der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken für das eigene Geschäft, während 20 Prozent noch unschlüssig in ihrer Einschätzung sind. Interessant ist dabei, dass entgegen der Erwartung das Alter eines Betriebsinhabers keinen großen Einfluss auf die Wahrnehmung der Digitalisierung hat. Viel wichtiger scheinen dagegen die Betriebsgröße und das jeweilige Gewerbe. Es zeigt sich: Je größer der Betrieb, desto positiver ist der Blick auf die Digitalisierung. Auch bei den einzelnen Gewerben lassen sich Unterschiede feststellen. Während Betriebe im Glas-, Papier- und Keramikgewerbe eher auf Seiten der Digitalisierungsbefürworter sind, sehen Unternehmen im Elektro- und Metallgewerbe mehr Risiken als Chancen. Eine Erklärung hierfür: Da in diesen Gewerben immer mehr Arbeiten in großem Umfang von Maschinen übernommen werden können, scheint es mehr Befürchtungen zu geben, zukünftig von großen Konzernen verdrängt zu werden.

Allzu starken Druck hin zur Digitalisierung verspüren jedoch die wenigsten Unternehmen: 60 Prozent nehmen auf dem Markt nur einen geringen Drang zur Umsetzung entsprechender Maßnahmen wahr. Dies ist wohl hauptsächlich der momentan sehr guten Auftragslage geschuldet. Gepaart mit einer oft vorhandenen Skepsis gegenüber neuen Technologien sowie deren Einsatzmöglichkeiten, führt dies dazu, dass die Digitalisierung im Handwerk in Deutschland noch wenig Fuß fassen konnte. Dabei ist gerade jetzt die ideale Gelegenheit, digitale Technologien im eigenen Betrieb einzuführen und die eigenen Mitarbeiter im Umgang damit zu schulen, um nicht später das Nachsehen gegenüber Konkurrenten zu haben.

Über die Studie:

Die Studie „Digitalisierung im Handwerk – IT-Einsatz für mehr Effizienz entlang der Prozesskette“ wurde vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München im Rahmen des Projekts ExCELL zusammen mit der Handwerkskammer für München und Oberbayern erstellt. Befragt wurden insgesamt 407 Handwerksbetriebe in Deutschland zwischen Mai 2016 und Januar 2017.

Die gesamte Studie ist auf der Homepage des Projekts ExCELL veröffentlicht: https://www.excell-mobility.de/clink/download-digitalisierung-im-handwerk/

 

Kategorie:
  ExCELL

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Christoph Pflügler und Maximilian Schreieck arbeiten am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik (Prof. Krcmar) an der Technischen Universität München und sind Teil des Konsortiums des Smart-Data-Projekts ExCELL.

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