Digitale Verantwortung – Warum wir heute mehr denn je Corporate Digital Responsibility brauchen

Von Sven Willrich Vor 4 MonatenKeine Kommentare
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Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft umfassend und nachhaltig. Dabei wandeln sich nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern auch die Zusammenarbeit in und zwischen Unternehmen, sowie das Verhältnis zu Anwendern beziehungsweise Kunden. In diesem Kontext stellt sich die Frage der unternehmerischen Verantwortung im digitalen Zeitalter ganz neu. Der Ruf nach einer neuartigen Corporate Social Responsibility in Form einer Corporate Digital Responsibility wird dabei immer lauter.

Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert engagieren sich Unternehmen sozial und ökologisch – ein Bestreben, das meist unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (kurz CSR) zusammengefasst wird. Die Motive waren und sind dabei unterschiedlich: Einerseits erhoffen sich Unternehmen, so das Vertrauen von Kunden zu gewinnen und neue Kundengruppen zu erschließen. Andererseits haben erfolgreiche Unternehmen auch ein Eigeninteresse an einer funktionierenden Gesellschaft und nutzbaren Umwelt, da sie etwa auf Rohstoffe und gute Mitarbeiter angewiesen sind. Beispiele für CSR-Maßnahmen sind etwa Genossenschaftsbewegungen oder Umweltschutzmaßnahmen. Ein drittes Motiv ist in die Zukunft gerichtet: Indem sich Unternehmen selbst Regeln auferlegen, entfällt der Zwang für den Gesetzgeber, einen entsprechenden – womöglich strengeren – rechtlichen Rahmen zu schaffen. Auf diese Weise eilt CSR dem Recht voraus.

Die Geburt der Digital Responsiblity

Mit der fortschreitenden Digitalisierung gewinnen „Daten“ als zusätzlicher, vierter Produktionsfaktor neben den klassischen „Arbeit“, „Boden“ und „Kapital“ eine zunehmend wichtige Rolle für die Wirtschaft. Sie werden immer mehr zum Wettbewerbsfaktor und insbesondere Unternehmen der Digitalwirtschaft erreichen durch riesige Datenmengen Monopole. Die Verantwortung, die sich für Unternehmen aus der Verwendung dieser Daten ergibt, wird unter dem Begriff Corporate Digital Responsibility zusammengefasst. Besonders deutlich wird diese Verantwortung bei personenbezogenen Daten, also solchen, die Angaben über eine bestimmte oder eine bestimmbare Person enthalten. Bei diesen greift das informationelle Selbstbestimmungsrecht: Die jeweiligen Personen dürfen also mitbestimmen, wie und in welchem Umfang ihre Daten verwendet und verarbeitet werden. Ohne diese Zustimmung ist eine Nutzung des Rohstoffs „Daten“ für Unternehmen nur in sehr eingeschränktem Rahmen möglich. Gerade in der Plattformökonomie sind Skalen- und Netzwerkeffekte jedoch erfolgsentscheidend.

Corporate Digital Responsibility kann für diesen Konflikt eine Lösung bieten. Denn sie hilft dabei, bei den Nutzern Vertrauen hinsichtlich der Verwendung der Daten zu schaffen und steigert damit deren Bereitschaft, diese freizugeben. Die Corporate Digital Responsibility schließt dabei alle Bestrebungen ein, Verantwortung für die erhobenen und verarbeiteten Daten so zu übernehmen, dass sie weder geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen widersprechen, noch soziale oder ökologische Wertschöpfungsprozesse verhindern. Beispiele für Maßnahmen im Rahmen einer Corporate Digital Responsibility sind etwa eine konsequent transparente Kommunikation bei der Verarbeitung und Speicherung von Daten oder auch die Vereinfachung von Genehmigungsprozesse (etwa bei den AGB).

Wie mit der Corporate Social Responsibility haben Unternehmen mit der Corporate Digital Responsibility so zu handeln, dass eine nachhaltige Entwicklung dort anfängt, wo gesetzliche Forderungen dies bereits erzwingen. Unternehmen können so eine Gratwanderung realisieren und sowohl Kundeninteressen als auch eigene Interessen nachhaltig befriedigen.

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  Begleitforschung

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