Aus „Big Data, Smart Data, next?“: Quo Vadis Big Data und Künstliche Intelligenz: Wo stehen wir, wo geht es hin?

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Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Bundesministerium für Bildung und Forschung © Wolfgang Borrs

 

Von Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas.

Oft werden politische Entscheidungsträger gefragt: „Wie regulieren wir zukünftig Big Data und Künstliche Intelligenz (KI)?“ Die Antwort ist simpel: Erst einmal gar nicht und hoffentlich nie. Technologien unterfallen generell und ganz allgemein keiner Regulierung per se, sondern ihre Anwendung wird im jeweiligen Kontext geregelt. Unser Ziel muss jedoch sein, Big Data und KI im Sinne unserer Werte zu gestalten. Mit Regulierung allein werden wir dieses Ziel nicht erreichen.

Allgemeiner Regelungen bedarf es für die Nutzung und den sicheren und zweckbestimmten Austausch von Daten zwischen Unternehmen. Abseits der staatlichen Regulierung ist jedoch wichtig, dass Maßnahmen von Unternehmen angestoßen werden. Die deutsche Wirtschaft muss sich zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Daten bekennen und definieren, was einen verantwortungsvollen Datenhandel ausmacht. Der Staat kann hierzu beitragen, indem er Datenräume anbietet, in denen solche Regelungen entwickelt und erprobt werden können. Mit dem International Data Space haben wir eine solche Möglichkeit für den Bereich Industrie 4.0 geschaffen. Die Entwicklung gemeinsamer Normen und Standards für den zukünftigen Datenhandel ist dabei das angestrebte Ziel. In einem größeren Rahmen müssen dann auch europäische beziehungsweise internationale Governance-Strukturen für den Datenhandel betrachtet werden.

Technologische Souveränität braucht eine starke Forschung

Wir müssen natürlich die Forschung weiter stärken. Mit unseren beiden Big-Data-Kompetenzzentren in Berlin und Dresden/ Leipzig haben wir bereits eine herausragende Kompetenzlandschaft geschaffen. Zusätzlich zu den Big-Data-Zentren werden jetzt vier neue Kompetenzzentren für Maschinelles Lernen in Berlin, Dortmund/St. Augustin, Tübingen und München aufgebaut. Unser Ziel ist es, Deutschland zu einem weltweit führenden Standort für die Entwicklung und Nutzung von KI weiterzuentwickeln. Nur so können wir unsere technologische Souveränität bewahren. Dabei spielt der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung die entscheidende Rolle.

Aber wir müssen auch begreifen, dass Deutschland zu klein ist, um im Wettbewerb mit den USA und China mithalten zu können. Das gilt praktisch für alle Politikfelder, es gilt insbesondere auch für KI. Wir setzen daher konsequent auf bilaterale und multilaterale Kooperationen in Europa. Als ersten Schritt wollen wir zusammen mit Frankreich ein deutsch-französisches Innovations- und Forschungsnetzwerk zu KI auf Basis der bestehenden Strukturen und Kompetenzen beider Länder aufbauen. Neben der Grundlagenforschung und dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft ist die Entwicklung gemeinsamer regulatorischer Ansätze und ethischer Standards ein weiterer Schwerpunkt.

Wichtig ist uns zudem die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Der gemeinsame Dialog muss angeregt werden. Das ist sowohl Aufgabe der Politik als auch der Wissenschaft und Wirtschaft. Mit der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Plattform für Lernende Systeme wollen wir Anwendungsszenarien zur alltagstauglichen Nutzung von KI entwerfen, Forschung und Entwicklung vorantreiben, aber auch Fragen von Ethik und Recht diskutieren. Wir müssen zusammen über die Vor- und Nachteile diskutieren und schrittweise gemeinsam den Weg bestimmen. Deutschland wird nachgesagt, dass technologische Entwicklungsprozesse aufgrund von Skepsis, aber auch Gewissenhaftigkeit hier länger dauern. Diese Eigenschaften sollten wir als Tugenden verstehen. In Deutschland wird nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entschieden. Das geht auch gar nicht. Politik und Verwaltung suchen aktiv den Dialog, um Prozesse mit Konsens schrittweise voranzutreiben. Das sorgt für nachhaltige Ergebnisse.

Wissenschaftliche Arbeit muss attraktiv bleiben (oder werden)

Wir als Ministerium für Bildung und Forschung sind jedoch gleichsam auf die Unterstützung und die Expertise aus der Gesellschaft angewiesen. Wir wissen, dass wir in Köpfe investieren müssen, um den technischen Fortschritt in Deutschland weiter voranzutreiben – dafür sind wir eben auch Bildungsministerium. Wir möchten, dass junge Leute ihre Ausbildung in Deutschland machen und dann auch hier bleiben. Wissenschaftliche Arbeit muss weiterhin attraktiv bleiben. In diesem Bereich haben sich die Bedingungen verändert. Kluge Köpfe sind heute gefragter denn je und mit der steigenden Nachfrage steigt eben auch der Preis. Die Konkurrenz im Ausland wirbt dabei manchmal mit enormen Gehältern. Deutsche Forschungseinrichtungen oder Unternehmen können diese nicht in allen Fällen anbieten, aber sie können dafür sorgen, dass sich die Arbeitsbedingungen der (wissenschaftlichen) Arbeitskräfte verbessern. Als Ministerium können wir dazu beitragen, indem wir im Wissenschaftsbereich in die Ausstattung von Universitäten beziehungsweise Lehrstühlen investieren sowie in die Ausbildung. Kluge Köpfe für Deutschland zu gewinnen ist ein übergeordnetes Ziel, auf das wir als Gesellschaft hinarbeiten, um eine bessere Lebensqualität für alle zu erzielen.

Wir als Akteurinnen und Akteure in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft wissen: Wir müssen noch relativ viel bei Big Data tun. Werkzeuge müssen entwickelt, Umgangsformen definiert und geschaffen, (internationale) Sichtbarkeit verstärkt und Ausgründungen realisiert werden. Das sind nur ein paar Themen von vielen. Dafür müssen wir als Gesellschaft an einem Strang ziehen und den gemeinsamen Austausch suchen. Das BMBF ist dabei immer offen für den Dialog und die konstruktive Kritik. Wer nicht besser wird, wer nicht wächst, wer sich nicht entwickelt, wird den Wohlstand und das Glück nicht erreichen. Daher ist es notwendig, dass wir als Gesellschaft gemeinsam Strategien entwickeln, wie unsere Zukunft mit Big Data und KI gestaltet werden kann.

 

Der gesamte Debattenband „Big Data, Smart Data, next?“ steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung. Hier finden Sie zudem die Eckpunkte der Bundesregierung für eine Strategie zur künstlichen Intelligenz von Juli 2018.

„Unser Ziel muss jedoch sein, Big Data und KI im Sinne unserer Werte zu gestalten. Mit Regulierung allein werden wir dieses Ziel nicht erreichen. “ - Wolf-Dieter Lukas #BigData https://bit.ly/2Ama0NF Klick um zu Tweeten

 

 

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