Verfahren zur Wertermittlung von Datensätzen schaffen

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Verfahren zur Wertermittlung von Datensätzen helfen, das Potenzial von Open Data sichtbar zu machen © Nonwarit – Fotolia.com

 

Von Maximilian Schreieck, Christoph Pflügler, Dr. Manuel Wiesche und Prof. Dr. Helmut Krcmar, Technische Universität München.

Welches Potenzial hat Open Data für Deutschland?

Während Open Data auf der einen Seite viele gesellschaftliche Veränderungen wie beispielsweise die Erhöhung der Transparenz oder eine verstärkte Kollaboration begünstigen kann, bergen frei zugängliche Daten auf der anderen Seite auch ein großes volkswirtschaftliches Potenzial.

Eine durch die Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebene Studie1 beziffert dieses Potenzial für Deutschland mit unterschiedlichen Schätzwerten, die stark vom weiteren Engagement seitens der deutschen Politik und wirtschaftlicher Entscheidungsträger abhängen. Eine konservative Schätzung geht von einem Potenzial in Höhe von 12,1 Milliarden Euro jährlich aus. Nach bereits getätigten ersten Schritten wie dem „Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der Open-Data-Charta der G8“ setzt diese Schätzung die Fortführung dieser Entwicklung beispielsweise durch die Umsetzung der in der Open-Government-Partnerschaft gesetzten Ziele voraus. Eine ambitioniertere Schätzung sieht ein Potenzial von 31,1 Milliarden Euro – hierfür müssten Entscheidungsträger eine proaktive Strategie verfolgen und beispielsweise Daten standardmäßig der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stellen. Die Nichtveröffentlichung von Daten müsste dann im Einzelfall begründet werden. In einer optimistischen Schätzung hält die Studie ein Potenzial in Höhe von 131,3 Milliarden Euro für realistisch. Um dieses zu erreichen, müsste Deutschland sich selbst in Bezug auf ein nationales, digitales und offenes Ökosystem herausfordern und sich das Ziel setzen, eine der führenden Open-Data-Nationen zu werden.

Alle drei Szenarien setzen weitreichendes Umdenken und oftmals drastische Umorientierung seitens beteiligter Akteure aus Politik und Wirtschaft voraus. Um Entscheidungsträgern das Potenzial der eigenen Datenbestände zu verdeutlichen und sie somit von neuen Open-Data-Strategien zu überzeugen, werden transparente Verfahren zur Wertermittlung dieser Datenbestände benötigt.

Wertermittlung bei Datensätzen von Unternehmen und öffentlicher Hand

Offene Daten unterscheiden sich durch eine Vielzahl von Eigenschaften fundamental von materiellen Gütern. So gehen beispielsweise die Grenzkosten, also die Kosten für die Bereitstellung eines zusätzlichen Datensatzes, gegen null. Außerdem ist es nicht möglich, einzelne Individuen oder Organisationen von der Nutzung auszuschließen. Eine in diesem Zusammenhang sehr wichtige Beobachtung ist insbesondere, dass der Wert der Daten vor allem in ihrer Nutzung besteht und diese mit der Anzahl der Nutzer steigt. Um den möglichen Nutzen zu maximieren, sollte also der Datenzugang maximiert werden. Zur Quantifizierung des dadurch entstehenden potenziellen Nutzens müssen verschiedene Faktoren betrachtet werden. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen von Open Data setzt sich insbesondere aus Effekten wie Einsparungen durch eine effizientere Verwaltung, Wachstumspotenzialen aus neuen, datenbasierten Geschäftsmodellen und sozialen Effekten wie einer gesteigerten Lebensqualität und verbesserten politischen Transparenz zusammen. Viele dieser Faktoren sind nicht eindeutig zu messen oder können nur unter bestimmten Annahmen in konkreten Zahlen ausgedrückt werden. Mit Hilfe von standardisierten Verfahren kann der Nutzen und somit der Wert verschiedener Datensätze jedoch vergleichbar gemacht werden. In der Vergangenheit durch Unternehmensberatungen oder Wirtschaftsforen durchgeführte Studien bieten eine solide Grundlage als Ausgangspunkt für die Entwicklung solcher Verfahren. Auch wenn Open-Data-Initiativen gerade in Deutschland noch sehr jung sind und in der öffentlichen Verwaltung noch wenig Erfahrung im Umgang mit Open Data vorhanden ist, zeigen gerade die Schätzungen, die im Rahmen dieser Studien ermittelt wurden, dass deutsche Unternehmen und Behörden durch den Einsatz von Open Data ein hohes ökonomisches Potenzial entfalten können. Durch exaktere und einfacher einzusetzende Wertermittlungsverfahren können Impulse und Anreize gesetzt werden, dieses Potenzial weiter auszuschöpfen.

Überwinden von Widerständen

Initiativen zur Einführung von Open Data können sowohl in Unternehmen als auch in der öffentlichen Verwaltung auf eine Vielzahl von Widerständen und Gegenargumenten stoßen. Neben dem Verweis auf Sicherheitsbeschränkungen, Datenschutz, oder Missdeutungen und Fehlinterpretationen gehören hierzu insbesondere ökonomisch motivierte Bedenken.

Oft kann die Hinwendung zu öffentlich verfügbaren Daten das Ende bewährter Geschäftsmodelle oder kurzfristige Einnahmeausfälle bedeuten. Besonders deutlich wird dies im Hinblick auf Geodaten oder Statistiken. So verzeichnet beispielsweise das Bundesamt für Geodäsie jährlich Einnahmen in Höhe von 70.000 Euro, die durch die entgeltliche Bereitstellung eigener Datensätze entstehen.2 Zusätzliche Kosten und neuer Arbeitsaufwand können zudem entstehen, wenn Daten vor der Veröffentlichung standardisiert werden müssen.

Verfahren zur Wertermittlung der eigenen Datensätze können dabei helfen, das wirtschaftliche Potenzial der Öffnung dieser Daten zu verdeutlichen und die langfristigen positiven Effekte aufzuzeigen. Insbesondere sollte darauf geachtet werden, diese Werte im Kontext ganzheitlicher Prozesse darzustellen und deutlich zu machen, wie kurzfristige Einnahmeausfälle an anderen Stellen wieder ausgeglichen werden und durch zusätzliche, neue Einnahmen an Gewicht verlieren. Auch Effekte, die nicht direkt monetär messbar sind, wie beispielsweise neue Wachstumsimpulse oder Synergien durch Kollaborationen, können Bedenken bei Entscheidungsträgern verringern.

Die Hinwendung zu Open Data fordert ein Umdenken auf allen Hierarchieebenen. Für einen erfolgreichen Paradigmenwechsel empfiehlt das Internet & Gesellschaft Collaboratory in seinem Abschlussbericht zum Thema Open Government, insbesondere die dienstältesten Mitarbeiter von den positiven wirtschaftlichen Effekten zu überzeugen und als Multiplikatoren zu gewinnen.3 Diese Mitarbeiter haben oftmals die Organisationskultur mitgeprägt und werden als Meinungsführer wahrgenommen. Schulungsmaßnahmen und Einzelgespräche können dabei helfen, sie für die neue Ausrichtung zu gewinnen und ihre Überzeugung in den Rest der Organisation zu tragen. Verfahren zur Wertermittlung von Daten leisten daher einen wichtigen Beitrag, Widerstände gegen Open Data abzubauen.

 

Dieser Beitrag stammt aus der Publikation „Open Data in Deutschland“ der Fachgruppe „Wirtschaftliche Potenziale und gesellschaftliche Akzeptanz“ der Smart-Data-Begleitforschung, die hier als kostenloser Download zur Verfügung steht.

„Verfahren zur Wertermittlung von Daten leisten einen wichtigen Beitrag, Widerstände gegen Open Data abzubauen.“ - Maximilian Schreieck et al. (TU München) #OpenData #BigData https://bit.ly/2ShG3oC Klick um zu Tweeten

 


  1. Vgl. Marcus M. Dapp, Dian Balta, Walter Palmetshofer, Helmut Krcmar, Pencho Kuzev (Hrsg.): Open Data. The Benefits – Das volkswirtschaftliche Potential für Deutschland, https://www.kas.de/c/document_library/get_file?uuid=3fbb9ec5-096c-076e-1cc4-473cd84784df&groupId=252038.
  2. Vgl. Dieter Klumpp, Klaus Lenk, Günter Koch (Hrsg.): Überwiegend Neuland – Positionsbestimmungen der Wissenschaft zur Gestaltung der Informationsgesellschaft. Berlin 2014, S. 57.
  3.  Offene Staatskunst – Bessere Politik durch „Open Government“? Eine Publikation des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory; abrufbar unter https://www.tagesspiegel.de/downloads/1956330/2/offene-staatskunst.pdf.
Kategorien:
  Allgemein, Begleitforschung, Datenanalyse

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